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Neue Rubrik: Der Weinvergleichstest - Teil 1: Toskana vs. Umbrien

von weinnase
10. Juni 2009

Toskana vs. Umbrien
Mit diesem Beitrag möchten wir eine neue Serie auf Man kann's essen ins Leben rufen: Den Wein-Vergleichstest. Dazu inspiriert hat uns die Tatsache, dass es mittlerweile zahlreiche gut sortierte Online-Weinshops gibt. Studiert man das Angebot, steht man zum Einen vor der Frage: Kann ich der Beschreibung trauen? Oder auf neudeutsch: Gilt "what you read is what you drink"? Außerdem gibt es oft innerhalb einer Kategorie große Preisunterschiede, denen auf den Grund zu gehen es sich lohnen sollte. Ist hier teurer auch immer besser? Und last but not least haben sich manche Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Chardonnay mittlerweile um den ganzen Globus verbreitet. Eine interessante Frage hier wäre: Wer macht den besten?

Beginnen wollen wir mit zwei Weinen des Online-Shops Solvino.de (Motto: Lust auf das Besondere). Solvino hat seinen Schwerpunkt bei italienischen Weinen des gehobenen Segments, alle großen Namen von Vino Nobile und Chianti Classico über Amarone und Brunello bis Ornellaia sind vertreten. Der Durchschnittspreis des Angebots liegt denn auch deutlich oberhalb von 10 Euro, doch auch in dem von Man kann's essen anvisierten Marktsegment 5-10 Euro sind viele attraktive Weine dabei. Unsere Kandidaten, der Peperino Rosso di Toscana IGT (Link auf den 2017er, Stand 2021) und der Rubesco Rosso di Torgiano DOC (Link auf den 2018er, Stand 2021), sind beide aus der toskanischen Leitrebe, der Sangiovese, gekeltert - "zufällig" eine der Lieblingsreben von Weinnase. Beide Weine durften im Holzfass reifen, und beide wurden vom Gambero Rosso, Italiens führendem Weinmagazin, mit zwei Gläsern bewertet, was bedeutet, dass sie qualitativ zur oberen Mittelklasse zählen.

Soweit die Gemeinsamkeiten, jetzt zu den Unterschieden: Während der Peperino ein reinsortiger Toskaner des Jahrgangs 2006 ist, hat sein Counterpart Rubesco einen Schuss (30%) Canaiolo mit drin, ist ein Jahr älter und stammt aus der Nachbarregion Umbrien. Der Peperino war acht Monate im Barrique, der Rubesco zwölf. Während der Peperino für 10,99 Euro (2017er) knapp oberhalb unserer Skala liegt, gibt es den Rubesco für haarscharfe 9,99 Euro. Dies lässt, zusammen mit der Bewertung des Gambero Rosso, auf ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis schließen.

Peperino - Rosso di Toscana IGT 2006

Wir starten mit dem Peperino von Teruzzi & Puthod aus San Gimignano (Toskana). Im Test verkosteten wir ihn als Begleitung zu Pasta. Eine gute Wahl, wie sich schnell herausstellte, denn der Wein entpuppte sich als der Leichtere der beiden Kandidaten. Im Glas zeigt er sich mit einem tiefen Rubinrot, das Bouquet ist komplex mit einem zarten Bitterton, wie man es von einem toskanischen Roten erwartet. Der Geschmack ist trotz des relativ hohen Alkoholgehalts (13,5 %) vergleichsweise leicht, elegant und rund, die Holzaromen sind kaum wahrnehmbar, sprich gut integriert. Der Nachklang ist lang und hinterlässt ein angenehm samtiges Gefühl am Gaumen. Das vierköpfige Test-Team war von dem Toskaner auf Anhieb überzeugt, besonders die beiden Damen waren angetan von seiner Leichtigkeit. Die Beschreibung auf der Shop-Seite kann man als knapp, aber angemessen bezeichnen.

Rubesco - Rosso di Torgiano DOC 2005

Nun zu Kandidat Nr. 2: Die Weinregion Umbrien steht etwas im Schatten der berühmten Nachbarin Toskana, bringt aber Weine von vergleichbarer Qualität hervor. Die geringere Prominenz macht sich dafür angenehm beim Preisniveau bemerkbar. Der Rubesco von Giorgio Lungarotti in Torgiano ist ein würdiger Vertreter seiner Region, im Glas tritt er an mit einem kräftigen Dunkelrot, einen Ton dunkler als der Toskaner, und mit einem opulenten Bouquet, das den Autor an Pflaumenmus erinnerte. Überhaupt, die Fruchtaromen: Beim Geschmack beharrte einer der Tester auf der Assoziation "Kirsche", dem sich der Rest der Truppe gern anschloss. "Marmelade" fand nicht so viele Anhänger, gefiel dem Autor aber besonders gut.

Der Rubesco präsentiert sich dabei mit mittelkräftiger Statur, die Holzaromen sind eine Spur stärker, doch keinesfalls unangenehm präsent. Insgesamt ein sehr ausgewogener, runder Wein mit einer leichten Restsüße und schön ausbalancierter, milder Säure, und ein guter Begleiter zu kräftiger gewürzten Fleischgerichten. Wir genossen dazu ein Lammkarrée mit Ofengemüse (mehr dazu bald in diesem Theater). Der Beschreibung auf der Shop-Seite mag sich der Autor in diesem Fall nicht ganz anschließen, ich habe den Wein kräftiger und reifer in Erinnerung, als es dort zum Ausdruck kommt. Den Vergleich zum Chianti Classico kann ich dagegen voll unterschreiben.

Fazit

Zu einer Rangfolge konnte sich das Test-Team nicht durchringen. Das wäre auch nicht ganz fair, dazu sind die Weine vom Charakter her dann doch zu unterschiedlich, ebenso wie die Vorlieben der Tester. Mit beiden Weinen ist man sehr gut bedient, sie sind jeweils typische und ansprechende Vertreter ihrer Region und passen hervorragend zu italienischem Essen, wie könnte es anders sein. Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei beiden sehr gut, die Bewertung von Gambero Rosso ist absolut gerechtfertigt. Wieder kaufen würde ich beide Weine auf jeden Fall.

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