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Terrassenwein spezial: Menges St. Laurent Rosé "Aira" trocken 2009

von weinnase
21. Mai 2010

Menges St. Laurent Rosé Aira
Viele Gelegenheiten für Terrassenweine gab es diesen Frühling ja noch nicht, aber noch ist es wohl zu früh, die Hoffnung aufzugeben. Mein Klassiker unter den Terrassenweinen ist ein leichter, fruchtiger Rosé, er passt für mich am besten zu lauen Frühlings- oder Sommerabenden im Freien. Bei unserem Besuch im Weingut Menges letzten Herbst konnten wir bei einer Fassprobe einen Rosé probieren, der mir so gut gefiel, dass ich mir damals genau den Abfülltermin gemerkt habe.

Neulich war es endlich so weit: Der Menges St. Laurent Rosé "Aira" 2009 Qualitätswein mit Prädikat trocken, eine Rarität im badischen Weinbau, kam endlich in den Vertrieb. Ich wollte den Verkaufsstart um keinen Preis verpassen und war ziemlich früh dran, der Wein war zwar schon abgefüllt, aber noch nicht etikettiert. Sebastian Menges ließ es sich aber nicht nehmen, extra für mich sechs Flaschen mit einem Spezialetikett zu versehen, wie man auf dem Foto erkennen kann. "Aira" hieß er da noch nicht, und warum er so heißt, muss ich noch herausfinden. Die Begriffsdefinitionen, die man im Internet findet (ein argentinischer Schriftsteller, eine westäthiopische Stadt, der okzitanische Begriff für Gelände ...) passen alle irgendwie nicht. Hier schuldet mir Herr Menges noch Feedback.

Die verwendete Rebsorte deutet schon darauf hin, dass es sich hierbei um keinen alltäglichen Wein handelt. Bei wein.cc findet man nur eine Handvoll Rosés, die aus der St.-Laurent-Rebe gekeltert sind. St. Laurent ist eine alte Rotweinrebe. Sie wurde, wie Wikipedia weiß, in Deutschland im 19. Jahrhundert eingeführt von Johann Philipp Bronner, dem großen Pionier des deutschen Weinbaus, nach dem in Nordbaden Straßen benannt sind. Vor einiger Zeit wäre sie beinahe ausgestorben, im Zuge des auch in Deutschland immer mehr in Mode kommenden Rotweins erlebte aber auch die St. Laurent eine Renaissance. In Baden beträgt der Bestand allerdings auch heute nur 15 Hektar, insofern kann man den Menges Rosé Aira schon als Rarität bezeichnen.

Und wie es die exklusive Rebsorte schon vermuten lässt: Hier hat man keinen typischen "Schlotzwein" vor sich, wie es die meisten deutschen Weißherbste immer noch sind, sondern einen zartaromatischen Rosé mit speziellem Charakter. Im Glas präsentiert er sich mit einem schönen, für badische Rosés typischen Kupferrot. Das Bouquet ist eher zurückhaltend und erinnert an unaufdringliche Aromen wie Preiselbeeren und Lychée. Auch beim Geschmack kommen einem eher dezente Fruchtnoten in den Sinn, ich habe mich nach langem Überlegen auf Galliamelone und Birne festgelegt. Das kann aber nur ein grober Hinweis sein, andere Nasen und Gaumen mögen das anders wahrnehmen.

Unverkennbar für alle dürften dagegen die zarten Röstnoten sein, die von einer kurzen Reifung in alten Barriques herrühren - ebenfalls ein für deutsche Rosés sehr unüblicher Vorgang - und dem Wein eine runde Eleganz verleihen. Menges vertreibt den Rosé Aira für faire 6,50 Euro. Ich würde dazu raten, den Wein nicht zu kalt zu genießen, 10-12 °C erscheinen mir angemessen. Menges vertritt zwar die Ansicht, der Wein wäre auch eiskalt zu trinken, ich fand jedoch, dass er dann an Fruchtigkeit einbüßt.

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